Was sich nicht von bisher Gesehenem unterscheidet, ist die Konzentration von Fakten und Zahlen, die Bilder von Deportationen, Lagern und Menschen, ausgestellte Gegenstände, Gemälde, Briefe und Filme über Hitlers Machtübernahme, den Verlauf des Krieges, die Judenfrage und deren Endlösung. Wodurch sich das Yad Vasehm von bisher Gesehenem klar separiert, ist das scheinbare Happy End der Tragik: Die Proklamation des Staates Israel durch Ben Gurion.
Fragen, die Israels Juden beschäftigen:
Wo war Gott in dieser Zeit?
Warum ausgerechnet die Juden?
War der Holocaust ein einmaliges Ereignis?
Was trieb die Deutschen zu dieser Grausamkeit?
Und Antworten, die Israels Fachleute darauf haben:
„God is not responsible for fight, he’s responsible for what you do with it.“
Während bei uns im Geschichtsunterricht versucht wurde (wie das heute so üblich ist) Hitler von seiner absoluten Macht und somit der absoluten Verantwortlichkeit am Holocaust freizusprechen, ist für Israeli klar, dass Hitler der Drahtzieher war, der das Volk kontrollierte und es ohne ihn nie zur Endlösung gekommen wäre.
Die Juden brachten der Menschheit das Geschenk der Menschlichkeit in Form der zehn Gebote, des Werts der monotheistischen Religion und vielen weiteren Grundprinzipien. Hingegen haben die Deutschen nicht mehr als den Hang zum Gehorsam und zur Strenge im Blut, was Eifersucht und Hass schürt, die Vorbedingungen des Geschehenen.
Kurz: Was durchschimmert in all den Antworten auf diese Fragen, ist der Versuch, den Holocaust als Ausrutscher der Geschichte zu erklären, von einigen wenigen stupiden Menschen verursacht, ein dummer Zufall und keines Falls das jüdische Schicksal.
Das Yad Vashem unterscheidet sich von allen anderen Holocaust Museen aber hauptsächlich in dem Punkt, dass man von Juden umgeben ist, während man all dies aufsaugt.
Und man vielleicht beginnt zu verstehen, warum es ihr Glaube ist, der Mittelpunkt der Welt, das auserwählte Folk zu sein. Israel ist ihr einziger Kuchen und wie aus kindlichem Trotz will jeder davon ein Stückchen haben.
Flanieren als Form geistiger Mobilität. Weil nicht nur der Geist, sondern auch der Charakter dem Kampf gewachsen sein muss.
Donnerstag, 27. August 2009
Wäschetrockner - eine Erfindung der Schweiz
Ich liebe das Bild von Wäsche, die an den Hausmauern entlang aufgespannt und bereit ist, von der Sonne getrocknet zu werden, wahrscheinlich deshalb so sehr, weil man es in der Schweiz so selten zu sehen bekommt.Seit längerer Zeit brauchen wir die Sonne für diesen Prozess nicht mehr, sondern bedienen uns den Wäschetrocknern.
Warum man glauben könnte, diese wären einzig für die Schweizer Bevölkerung erfunden worden:
Das Klima in der Schweiz ist schlicht zu kalt. Bedingt durch Wetter und Mensch. Wäsche ist Privatsphäre und nicht ein Ausstellungsobjekt. Niemand hängt freiwillig sein Innerstes an einen Faden vor die Haustüre, wir bleiben damit im Verborgenen, ziehen uns in den Keller zurück, der zweckgemäss warm gelüftet wird und gehen davon aus, dass der Effekt derselbe sei.
Nebenbei ergibt sich dadurch ein unschlagbarer Vorteil des schweizerischen Wetters: Es hat Unterhaltungswert. Wir können uns tatsächlich über das Wetter unterhalten, weil man nie weiss, was der Tag für Wetter mit sich bringt. Die Chance, dass das Wetter morgen noch gleich ist wie heute, liegt in der Schweiz bei nur 60%, weil im Durchschnitt das Wetter alle 3 Tage umschlägt und mit dem Wetter auch unsere Tagespläne und unser Gemüt. Unser Wetter-Talk ist also gar nicht so banal, wie wir zu denken glauben.
Zusätzlich sieht man an dem häufigen Gebrauch von Wäschetrocknern aber auch, wofür die schweizerische Zeit als vergeudet investiert angesehen wird. Nämlich in existentielle Dinge, das Aufhängen der einzelnen Kleidungsstücke, die uns tagtäglich begleiten. Die schweizerische Zeit ist mit dem Studium der aktuellen Sonderangebote besser genutzt.
Samstag, 1. August 2009
Feuerwerk der Verantwortung

-Oder eine andere Metapher unserer Zeit
Stunden der Langeweile, Stunden des Beine in den Bauch Stehen, Stunden des Wartens. Doch während diesen Stunden des Feuerwerkverkaufs kann man doch einiges beobachten, das zu bloggen sich lohnt.
1. Sind Batterien, also kleine Feuerwerkkombinationen, dieses Jahr im Trend, was erstaunlicherweise schon am 25.Juli bekannt gemacht werden konnte. Dies kann ich nur bestätigen, alles ausverkauft.
2. Kann man Feuerwerk nur „schön“ finden, denn alle anderen Wörter wie anregend, idyllisch, ansehnlich, faszinierend, reizvoll, geschmackvoll, o.ä. durch die man das Schwammwort schön zu ersetzten versucht, beschreiben das Feuerwerk wirkungslos.
3. Locken rot-orange leuchtende Aktionspreise selbst –man schämt sich, es zu glauben – bei Feuerwerk. (Man staune: es sind dieselben wie im letzten Jahr.)
Kunden denken nun mal anders und Schweizer denken gar nicht, wenn es um die jährliche Investition Feuerwerk geht, was sich darin äussert
dass wir unsere Kinder darauf konditionieren Feuerwerk „schön“ zu finden,
dass wir uns danach verantwortlich fühlen, die Gelüste unserer Kinder mit Verboten zu zügeln
und dass am Ende die Kinder wieder als Rechtfertigung für unseren Feuerwerkkauf fungieren!
„Chind findets ebe scho no lässig.“
„Wennd Chind hesch, muesch halt eifach öppis chaufe.“
Solche Aussagen stehen in starkem Kontrast zu Szenen, in denen Väter ihren Kindern Feuerwerk aufschwatzten, es sie aber aus dem eigenen Sack bezahlen liessen.
Wer will jetzt was und wer wirkt auf wen? Sind nun die zum Quängeln getriebenen Kinder, die nachgiebigen Eltern, die manipulativen Verkäufer(innen) oder die gierigen Hersteller verantwortlich dafür, dass Tausende von Franken für etwas ausgegeben werden, das man nur schön finden kann, wobei niemand den Eindruck hinterlassen möchte, dies auch wirklich zu wollen??
Feuerwerk zieht uns das Geld aus der Tasche, verschmutzt Wiesen und Wälder, zieht Verletzungs- und Brandgefahr mit sich, doch nehmen wir dies alles in Kauf, weil es einfach schön ist, weil es einfach dazu gehört, weil es zumindest eine kleine Zeitspanne einfach Spass macht. Und jeder meint für die anderen, nicht für sich selbst zu kaufen.
Doch mit dem Feuerwerk ist auch die Frage der ursprünglichen Verantwortung einfach in der Luft verpufft.
Feuerwerk zieht uns das Geld aus der Tasche, verschmutzt Wiesen und Wälder, zieht Verletzungs- und Brandgefahr mit sich, doch nehmen wir dies alles in Kauf, weil es einfach schön ist, weil es einfach dazu gehört, weil es zumindest eine kleine Zeitspanne einfach Spass macht. Und jeder meint für die anderen, nicht für sich selbst zu kaufen.
Doch mit dem Feuerwerk ist auch die Frage der ursprünglichen Verantwortung einfach in der Luft verpufft.
Dienstag, 21. Juli 2009
literarische Texte: Sicherheit
literarische Texte: Sicherheit
,,(...) Er selber nämlich, das ist es, fühlt sich durchaus frei: wie jeder sich frei fühlt in jeder Gesellschaft, die seinen Vorteil schützt, so dass er mit ihr einverstanden ist."
Max Frisch
Tagebuch 1946-1949, S.179
,,(...) wer weiss, wo sie jetzt waren, wer weiss, ob nicht auch sie eingesehen hatten, dass man das, was man nachts redet, nur redet, weil man es am Tag nicht vollbringen kann: warscheinlich hatte jeder Einzelne den gleichen Verrat begangen wie er, jeder für sich still und praktisch, einen Messerschnitt, mit dem die Vernunft die Jugend abtrennte vom Leib seines Leben, so dass sie zurückblieb, sich auflöste und Erinnerung wurde, Traumnahrung für ein ganzes Leben."
Martin Walser
Ehen in Philippsburg, S.62
,,(...) Er selber nämlich, das ist es, fühlt sich durchaus frei: wie jeder sich frei fühlt in jeder Gesellschaft, die seinen Vorteil schützt, so dass er mit ihr einverstanden ist."
Max Frisch
Tagebuch 1946-1949, S.179
,,(...) wer weiss, wo sie jetzt waren, wer weiss, ob nicht auch sie eingesehen hatten, dass man das, was man nachts redet, nur redet, weil man es am Tag nicht vollbringen kann: warscheinlich hatte jeder Einzelne den gleichen Verrat begangen wie er, jeder für sich still und praktisch, einen Messerschnitt, mit dem die Vernunft die Jugend abtrennte vom Leib seines Leben, so dass sie zurückblieb, sich auflöste und Erinnerung wurde, Traumnahrung für ein ganzes Leben."
Martin Walser
Ehen in Philippsburg, S.62
Montag, 20. Juli 2009
culture guide: Spiegel Spezial
Krisenkinder: Eine Generation, die keine sein will.
Krisenkinder, Pragmatiker, Praktikums Generation ohne Zukunftsaussicht, am Rande der Verzweiflung, nahe des Absprungs -der Letzte.
Keine Worte konnten bis anhin unsere Generation so treffend beschreiben. Der Artikel lässt Hoffnung und Zuversicht im Raum zergehen, zeigt uns, wie die Welt jenseits der Sicherheit aussieht: Wir haben sie vor uns.
Dennoch eröffnet der Artikel unserem Gefühlsbrei ein neues Potential, das der Legitimation. Wir sind Krisenkinder (Bildungskrise, Terrorkrise, Wirtschaftskrise...) und dürfen Angst haben, müssen es sogar, es wird das prägende Gefühl unseres Lebenslaufs sein. Darauf werden wir zurück blicken, wenn wir es geschafft haben - oder gescheitert sind.
Ergänzend lässt sich zum Artikel sagen, dass Angst, die die Generationen prägt durchaus keine neue Erscheinung ist, man denke an Kriegszeiten, vor allem die Zeit des Kalten Krieges zurück. Und dennoch unterscheidet sich die heutige Bedeutung der Angst zur früheren dadurch, dass nicht mehr Breschnew und Kennedy den Finger auf dem roten Knopf haben, sondern jeder selbst. Nicht die ganze Welt geht unter, sondern nur die, die nicht schwimmen können. In seiner Existenz zu scheitern: heute kein Problem mehr.
Spiegel Spezial, momentan am Kiosk für 13 Franken.
Krisenkinder, Pragmatiker, Praktikums Generation ohne Zukunftsaussicht, am Rande der Verzweiflung, nahe des Absprungs -der Letzte.
Keine Worte konnten bis anhin unsere Generation so treffend beschreiben. Der Artikel lässt Hoffnung und Zuversicht im Raum zergehen, zeigt uns, wie die Welt jenseits der Sicherheit aussieht: Wir haben sie vor uns.
Dennoch eröffnet der Artikel unserem Gefühlsbrei ein neues Potential, das der Legitimation. Wir sind Krisenkinder (Bildungskrise, Terrorkrise, Wirtschaftskrise...) und dürfen Angst haben, müssen es sogar, es wird das prägende Gefühl unseres Lebenslaufs sein. Darauf werden wir zurück blicken, wenn wir es geschafft haben - oder gescheitert sind.
Ergänzend lässt sich zum Artikel sagen, dass Angst, die die Generationen prägt durchaus keine neue Erscheinung ist, man denke an Kriegszeiten, vor allem die Zeit des Kalten Krieges zurück. Und dennoch unterscheidet sich die heutige Bedeutung der Angst zur früheren dadurch, dass nicht mehr Breschnew und Kennedy den Finger auf dem roten Knopf haben, sondern jeder selbst. Nicht die ganze Welt geht unter, sondern nur die, die nicht schwimmen können. In seiner Existenz zu scheitern: heute kein Problem mehr.
Spiegel Spezial, momentan am Kiosk für 13 Franken.
Jenseits der Sicherheit
Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt,
eine eigene Art zu haben.
Erich Fried
Und: das Streben (nach mehr) als anthropologische Grundkonstante? Und wenn aufgrund des Millieus nicht möglich, verschiebt sich dieses Bedürfnis in die Phantasie. Kommt überraschenderweise eine reale Möglichkeit auf, wird sie ergriffen, auch mittels Gewalt.
Und: Genügsamkeit nicht als Stillstand verstehen (logisch), aber eben doch nicht.
Und: Durch welche Gruppen entsteht eine neue Dynamik in einer Gesellschaft?
Durch die Dichter/Schriftsteller, die Werber und die Jungen. (Ergebnis einer Studie)
Bei den Intellektuellen fehlen grosse Namen, öffentliche Stellungsnahmen, die Debatte im Tagesanzeiger vor einigen Monaten zeigte, dass die meisten sich auch nicht in dieser Rolle sehen, denn: worauf mit dem Finger zeigen, dass nicht ein reines Abstraktum ist? (Konformität als Beistpiel)
Die Werber: wecken stetig neue Bedürfnisse, rein Materielle, versteht sich... Konsum, ein Mittel der Zerstreuung, gegen Langeweile, füllt die Leere, stopft das Loch...
Die Jungen: Wo sind sie? (Spiegel extra...)
Begreifen sich als Ur-individuell, waren aber wohl noch nie so homogen wie heute (Vermutung und generalisiert)
Ja, das so meine Gedanken, wie gewohnt fehlt jegliche Stringenz, aber das regt den Geist ungemein an...
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt,
eine eigene Art zu haben.
Erich Fried
Und: das Streben (nach mehr) als anthropologische Grundkonstante? Und wenn aufgrund des Millieus nicht möglich, verschiebt sich dieses Bedürfnis in die Phantasie. Kommt überraschenderweise eine reale Möglichkeit auf, wird sie ergriffen, auch mittels Gewalt.
Und: Genügsamkeit nicht als Stillstand verstehen (logisch), aber eben doch nicht.
Und: Durch welche Gruppen entsteht eine neue Dynamik in einer Gesellschaft?
Durch die Dichter/Schriftsteller, die Werber und die Jungen. (Ergebnis einer Studie)
Bei den Intellektuellen fehlen grosse Namen, öffentliche Stellungsnahmen, die Debatte im Tagesanzeiger vor einigen Monaten zeigte, dass die meisten sich auch nicht in dieser Rolle sehen, denn: worauf mit dem Finger zeigen, dass nicht ein reines Abstraktum ist? (Konformität als Beistpiel)
Die Werber: wecken stetig neue Bedürfnisse, rein Materielle, versteht sich... Konsum, ein Mittel der Zerstreuung, gegen Langeweile, füllt die Leere, stopft das Loch...
Die Jungen: Wo sind sie? (Spiegel extra...)
Begreifen sich als Ur-individuell, waren aber wohl noch nie so homogen wie heute (Vermutung und generalisiert)
Ja, das so meine Gedanken, wie gewohnt fehlt jegliche Stringenz, aber das regt den Geist ungemein an...
Samstag, 18. Juli 2009
culture guide: Walz with Bashir
Überzeugt! Thematisiert einerseits die Absurdität des Krieges und die Verantwortung des einzelnen Soldaten, zeigt durch seine Machart vor allem aber auch den verwirrenden Charakter von Erinnerung und Traum.
Einmal mehr wirft ein Film die Frage auf: Warum Krieg?, doch Freuds Antwort ist der Überzeugung in diesem Falle machtlos. Wo die Welt als etwas vollkommen Surreales wahrgenommen wird, bleibt auch die Handlung ohne Effekt. Die Angst ist das einzige Gefühl, das bis zum Bewusstsein der Verantwortlichen durchdringt, mit Grausamkeit und Destruktivität wird es zum Schweigen gebracht.
Hat er abgedrückt? Da diese Frage offen bleibt, wird um so mehr das Zufällige der Grausamkeiten gezeigt. Weder die Vorgeschichte, noch der Charakter des Protagonisten lassen auf seine Handlungen und noch weniger auf dessen Neigungen schliessen. Etwas Verständnis kommt auf, wenn man die aktuellen Geständnisse aus dem Lande Israel hört.
Am Ende ist nur eines klar: was geschah, ist Realität und lässt sich nicht rückgängig machen. Nicht für die Menschheitsgeschichte und auch nicht für die einzelne Biographie.
Auf DVD bei mir ausleihbar.
Einmal mehr wirft ein Film die Frage auf: Warum Krieg?, doch Freuds Antwort ist der Überzeugung in diesem Falle machtlos. Wo die Welt als etwas vollkommen Surreales wahrgenommen wird, bleibt auch die Handlung ohne Effekt. Die Angst ist das einzige Gefühl, das bis zum Bewusstsein der Verantwortlichen durchdringt, mit Grausamkeit und Destruktivität wird es zum Schweigen gebracht.
Hat er abgedrückt? Da diese Frage offen bleibt, wird um so mehr das Zufällige der Grausamkeiten gezeigt. Weder die Vorgeschichte, noch der Charakter des Protagonisten lassen auf seine Handlungen und noch weniger auf dessen Neigungen schliessen. Etwas Verständnis kommt auf, wenn man die aktuellen Geständnisse aus dem Lande Israel hört.
Am Ende ist nur eines klar: was geschah, ist Realität und lässt sich nicht rückgängig machen. Nicht für die Menschheitsgeschichte und auch nicht für die einzelne Biographie.
Auf DVD bei mir ausleihbar.
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