Montag, 20. Juli 2009

culture guide: Spiegel Spezial

Krisenkinder: Eine Generation, die keine sein will.
Krisenkinder, Pragmatiker, Praktikums Generation ohne Zukunftsaussicht, am Rande der Verzweiflung, nahe des Absprungs -der Letzte.

Keine Worte konnten bis anhin unsere Generation so treffend beschreiben. Der Artikel lässt Hoffnung und Zuversicht im Raum zergehen, zeigt uns, wie die Welt jenseits der Sicherheit aussieht: Wir haben sie vor uns.
Dennoch eröffnet der Artikel unserem Gefühlsbrei ein neues Potential, das der Legitimation. Wir sind Krisenkinder (Bildungskrise, Terrorkrise, Wirtschaftskrise...) und dürfen Angst haben, müssen es sogar, es wird das prägende Gefühl unseres Lebenslaufs sein. Darauf werden wir zurück blicken, wenn wir es geschafft haben - oder gescheitert sind.

Ergänzend lässt sich zum Artikel sagen, dass Angst, die die Generationen prägt durchaus keine neue Erscheinung ist, man denke an Kriegszeiten, vor allem die Zeit des Kalten Krieges zurück. Und dennoch unterscheidet sich die heutige Bedeutung der Angst zur früheren dadurch, dass nicht mehr Breschnew und Kennedy den Finger auf dem roten Knopf haben, sondern jeder selbst. Nicht die ganze Welt geht unter, sondern nur die, die nicht schwimmen können. In seiner Existenz zu scheitern: heute kein Problem mehr.


Spiegel Spezial, momentan am Kiosk für 13 Franken.

Kommentare:

  1. Aha. Meinst du, es wird optimistischer, wenn ich es selbst lese?

    Letzten Montag bin ich in der Zeitung über eine interessante Kollumne gestolpert. Es gibt anscheinend von Paul Watzlawick eine: Anleitung zum Unglücklich sein. Und darin heissen zwei Tipps: "Sei immer der Meinung früher sei alles besser gewesen." Und das "Wer von vornherein annimmt, dass im System etwas faul sei und man selbst gar nichts machen könne, der habe gute Chancen unglücklich zu sein und zu bleiben."
    Zu ersterem fällt mir ein, dass es den roten Knopf den jeder selbst drücken kann, schon einige Zeit gibt. A. Miller: "Death of a salesman", Sallinger: "Catcher in the Rye"

    Dann ist da noch der Unterschied zwischen Furcht und Angst. Angst ist unbegründet und lämend. Wärend man sich vor realen Gefahren fürchtet, somit darauf vorbereitet ist und entsprechend handelt.

    Der Gedanke, dass der Spiegel die Jugend verstehen könnte, macht mir eindeutig Angst.
    Soll ich den wirklich lesen?

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  2. Ach und danke, ich möchte euch sehr gerne folgen können. Es ärgert mich immer, dass ich weil ich nie das Schulfach besucht habe, anscheinden nichts von Philosphie verstehe. Ich glaube das Prinzip habe ich begriffen, aber mir fehlt einfach das Grundwissen und wer kann schon ohne Pfannen kochen?

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  3. Ja den roten Knopf gab es schon immer, aber dass er wirklich eine ganze Generation prägte, daran zweifle ich.
    Wie real die Gefahr tatsächlich ist, darüber lässt sich diskutieren. Fakten aber sind da: Der Grossteil unserer Generation lebt ohne Ideologie, ohne Streben, ohne Genügsamkeit. Die Arbeitslosigkeit unter Studenten ist hoch, so hoch wie glaube ich nie zuvor. Ebenfalls die Suche nach Lehrstellen gestalltet sich schwieriger denn je. Die Kraft und der Mut zur Gemeinschaft fehlt, jeder schaut nur auf sich selbst, seine eigene Sicherheit. Was, wie schon erwähnt unter den gegebenen Umständen legitim ist.

    Wir waren uns einig, dass es einer der besten Artikel seit langem war, den wir gelesen haben. Aber entscheide selbst. (Kann ihn auch borgen)

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  4. http://krisenkinder.blog.de/

    http://freibrief.net/leben-wir-in-einer-marktradikalen-neoliberalen-gesellschaft-t1231.html (recht weit unter findet sich ein längerer abgeschriebener Auszug!)

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