Samstag, 18. Juli 2009

culture guide: Walz with Bashir

Überzeugt! Thematisiert einerseits die Absurdität des Krieges und die Verantwortung des einzelnen Soldaten, zeigt durch seine Machart vor allem aber auch den verwirrenden Charakter von Erinnerung und Traum.

Einmal mehr wirft ein Film die Frage auf: Warum Krieg?, doch Freuds Antwort ist der Überzeugung in diesem Falle machtlos. Wo die Welt als etwas vollkommen Surreales wahrgenommen wird, bleibt auch die Handlung ohne Effekt. Die Angst ist das einzige Gefühl, das bis zum Bewusstsein der Verantwortlichen durchdringt, mit Grausamkeit und Destruktivität wird es zum Schweigen gebracht.
Hat er abgedrückt? Da diese Frage offen bleibt, wird um so mehr das Zufällige der Grausamkeiten gezeigt. Weder die Vorgeschichte, noch der Charakter des Protagonisten lassen auf seine Handlungen und noch weniger auf dessen Neigungen schliessen. Etwas Verständnis kommt auf, wenn man die aktuellen Geständnisse aus dem Lande Israel hört.
Am Ende ist nur eines klar: was geschah, ist Realität und lässt sich nicht rückgängig machen. Nicht für die Menschheitsgeschichte und auch nicht für die einzelne Biographie.

Auf DVD bei mir ausleihbar.

Kommentare:

  1. "Hat er abgedrückt?"
    Dazu fällt mir ein, das der Typ der Saint-Exupéry abgeschossen hat, erklärte, er hätte nicht geschossen, wenn er es gewusst hätte.
    Ein Satz der viele Fragen aufwirft. Ist das Leben der anderen Opfer nicht genauso viel Wert wie jenes Saint-Exupéry's? Ist es der Soldat, der entscheiden kann, wen, warum und ob er jemanden erschiesst? Wie gehe ich mit der Erkenntins um, das mein Bruder jemanden erschiessen könnte? Das ich jemanden umbringen(schiessen kann ich nicht)könnte? Wenn man den Krieg verweigern kann, warum gibt es dann doch so viele die es nicht tun?

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  2. Wenn dein Bruder schiessen würde, wäre es dann dein Bruder gewesen, der geschossen hat?

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  3. Ja, mein Bruder würde mein Bruder bleiben. Aber er wäre auch ein Mörder... eine verwirrende Vorstellung.
    Ich frage mich, ob es einen Unterschied machen würde, wenn ich ihn dabei sähe, oder wenn er es mir erzählen würde.
    Ein sicherer Unterschied wäre, ob mein Bruder Jemanden auf Befehl, oder aus Wut erschiessen würde. Bei einem Mord auf Befehl würde ich ihn sicherlich verachten. Bei einem Mord aus Wut, würde ich ihn fürchten.
    Ich mag meinen Bruder sehr und ich fürchte er geht allzu sorglos mit der Tatsache des Kriges um.

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  4. Wie immer mag ich die Fragen lieber als die Antworten.
    Ich habe immer das Gefühl, das eine Antwort nie perfekt ist, eine Frage aber immer.

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  5. Die Frage lautet aber nicht, ob er dein Bruder beliben würde, also ob es eure Beziehung verändern würde, sondern ob es dein Bruder, also seine Person, wie du sie kennst gewesen wäre oder ob ihn etwas fremdes eingenommen haben müsste, damit er dazu fähig gewesen wäre.. kompliziert diese ganze Hypothese.
    Vielleicht etwas Erklärung: Im Film weiss der Entsprechnde nicht, dass er Teil des Massakers im Libanon war. Er hat seine Erinnerung verdrängt und lebt sein Leben weiter, ohne das Wissen, wer er einmal war. Was er getan hat, ist nicht Teil von dem Konstrukt, das er von seiner Persönlichkeit hat. Daher die Frage nach der Verantwortlichkeit und danach, ob eine solche Handlung überahupt Teil von einer Persönlichkeit sein kann.

    Übrigens: Toll bist du da! Hast den Blog schneller gefunden, als meine Mitschreiberinnen. ;-) Naja moderne Technik und Menschen, die diese boykotieren...

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  6. "ob ihn etwas fremdes eingenommen haben müsste, damit er dazu fähig gewesen wäre.."
    Das scheint mir, als wolle man die Verantwortung von sich schieben.

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