Samstag, 6. Februar 2010

Geschlechterdiskrepanzen – eine Selbsterfahrung


Ob biologisch bedingt, ob anerzogen, medial heran gezüchtet oder ob die Kombination aller Faktoren die Diskrepanzen zwischen Mann und Frau herauf beschwören, spielt letzten Endes keine Rolle, denn die Diskrepanzen bestehen, unabhängig ihres Ursprungs. Natürlich lässt sich diese Frage stellen, um einige weitreichendere, grundlegendere Diskussionen zu führen, so zum Beispiel, ob unser Verhalten als Mann oder als Frau biologisch notwendig und damit unumgänglich ist, oder ob wir mit diesem Rollenverhalten unserer eigenen Person Schranken setzten, die unsere Freiheit begrenzen, unsere Empfindungen und Wertungen beeinflussen und unser Verhalten steuern, womit wir also selbst in diesem elementaren Grundverhalten als entweder oder, also als Mann oder Frau, meist ohne Graustufen, nur eine gesellschaftliche Konzeption sind, woraus sich schliessen liesse, dass die Institutionen der Gesellschaft (Familie, Bildung, Medien…) eine fast absolute Macht, eine beinahe vollkommene Steuerungskontrolle über das Individuum haben, womit das Konzept Individualität in sich selbst zerfällt. Dennoch will ich diese Frage hier nicht thematisieren, weil sie einen extrem bitteren Nachgeschmack besitzt, denn wenn man zu beantworten versucht, warum diese Diskrepanzen bestehen, sucht man zwar nur nach einer Erklärung, doch nicht nach einer nüchternen, sondern nach einer vernünftigen, womit die Unterschiede zwischen den Geschlechtern primär als unvernünftig und somit negativ eingestuft werden. Fakt ist aber, dass die Geschlechter gegenseitig von den bestehenden Unterschieden lernen, also profitieren können, was ich mit Hilfe folgender Fixpunkte zu begründen versuche. (Wobei ich mich nur auf die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Persönlichkeitsmerkmalen beziehe, nicht aber auf die Diskrepanzen der gesellschaftlichen Rollen und deren Status!)


Was man in Männerferien kaum antrifft:


Morgendliche Kommentare über die heutige Kleiderwahl.

Diskussionen, ob man asiatisch oder italienisch Essen geht.
Entwürdigende Worte über Menschen, die alle kennen.
Die Frage: "Wie geht es dir?", es sei denn, man vermutet beim andern einen zünftigen Kater.
Melancholische, "die ganze Welt ist scheisse" - Stimmung.
Ein strukturiertes Programm für den Tag.
Widerstand, weil das Programm geändert wird.
Antrieb vor zehn aus dem Bett zu sein.
Schamgefühl.

Was man bei Frauenferien selten antrifft:


Lachen über einen Witz, der schon hundertmal gefallen ist.
Überhaupt auf so viel Lachen.
Auf so viel Kater.
Entwürdigende Worte über Menschen, die keiner kennt.
Abschätzige Kommentare über das andere Geschlecht.
Auf Notenskalen für das andere Geschlecht.
Melancholische "die ganze Welt ist gegen mich" – Kommentare
Auf Tage, die man im Bett verbringt.
Triumphgefühl.

Die erste Ableitung zeigt folgende Extremalstellen:


Männer brauchen nach den Ferien Ferien, um sich zu erholen.

Frauen benötigen vor den Ferien Ferien, um sich vorzubereiten.

Und den Schnittpunkt finden wir hier:



Frauen haben einen Geltungsdrang vor anderen Männern, Männer ebenso.



Differenzierter betrachtet muss ich anfügen, dass beide Geschlechter mit ihrem Verhalten gegen den Nullpunkt streben, dummerweise die Einen von untern, die Anderen von Oben, wobei dahingestellt sein soll, wer sich von woher diesem Punkt nähert. Paradoxer Fakt ist, dass Männer und Frauen sich genau wegen des gemeinsamen Schnittpunktes niemals treffen, bzw. verstehen werden, denn solange die männliche Dynamik bedingt, dass Männer sich untereinander zu behaupten haben, werden Frauen ihr Geltungsstreben nicht durch die Männer befriedigt bekommen.


(Beispiel gefällig? : Die weibliche Dynamik bedingt, dass nach drei stündiger Beratung, an der sich alle Freundinnen beteiligen, weil sie genau wissen, was dem Freund ihrer Freundin gefällt, denn sie wissen eben alles über ihn, endlich das passende Ferienmitbringsel gefunden wurde, während Männerdynamik bedingt, dass ein Mitbringsel als lasterhafte Verpflichtung angesehen wird, die sich mit der Begrünung "beziehungsverlängernd" zu rechtfertigen hat.)


Aus diesen beiden spezifischen Verhaltensweisen ergäben sich, losgelöst von der ganzen Dynamik in der Gruppe, wertvolle Charaktereigenschaften, sowohl für Mann wie auch für Frau. So scheinen die Beziehungen unter Frauen vertrauter, offener, ehrlicher, emotionaler, unterstützender, weil sie sich voreinander weniger behaupten müssen. Die Beziehungen unter Männern dagegen scheinen belastbarer, unkomplizierter, heiterer, gelassener.


Ich denke, damit könnte man auch begründen, warum Frauen tendenziell früher entwickelt sind als Männer, weil sie sich gegenseitig in ihrer Entwicklung unterstützen, während Männer sich dabei eher hemmen. Durch diesen beinahe Alleingang werden Männer vielleicht aber potentiell auch stärker, emotional weniger angreifbar.


Beides aber, die weibliche emotionale Empfindlichkeit und die männliche geistige Gelassenheit haben ihren Wert.


Emotionale Gelassenheit und geistige Empfindlichkeit heisst der wertvolle Kompromiss.














In diesem Sinne: Danke Jungs für die tollen Ferien, hab euch ins Herz geschlossen. J

Freitag, 22. Januar 2010

Vogelfrei – ein literarischer Versuch

Seinen Hut hängte er an den Kleiderständer, seine Aktentasche warf er mit schonender Wucht darunter, holte sich ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank und setzte sich damit auf den Balkon. Von dort aus beobachtete er, wie er es fast täglich tat, die Vögel, die sich in den Bäumen tummelten und genoss dazu Schluck für Schluck vom kalten Alkohol. An jenem Tag war der Genuss besonders intensiv, denn er wusste, er würde die Vögel zum letzten Mal sehen müssen. Seinen langweiligen Bürojob hatte er, wie seine Aktentasche schonend wuchtig hingeschmissen und war soeben für lange Zeit von der Arbeit nach Hause gekehrt. Von nun an war er frei wie ein Vogel. Den ersten Schritt in seine Unabhängigkeit schenkte ihm vor einigen Monaten seine Frau, indem sie ihm mitteilte, dass sie sich scheiden lassen wolle, weil sie einen anderen, einen besseren Mann, kennen gelernt habe und nun endlich wagte er den zweiten Schritt Richtung Unabhängigkeit und sagte auch seinem Chef, dass er etwas anderes, etwas besseres mit seinem Leben vorhabe. Nichts hielt ihn mehr hier in dieser öden Gegend, seine Gedanken waren schon lange in der Karibik angekommen, die er von den Ferien mit seiner Frau so gut kannte und so sehr liebte und wo er plante das Ende seines Lebens zu leben, statt dieses abzuwarten.

Kurze Zeit später steht er am Flughafen übervoll mit Koffern und Vorfreude bepackt, doch ebenso kurze Zeit später, kaum in der Karibik angekommen, erreichte ihn ein Telegramm, was ihn nicht minder erstaunte, da er keine Erklärung für diese dringende Kontaktaufnahme sah, aber es gab sie.


Worüber er im Telegramm unterrichtet wurde, kann der Leser sich gerne aussuchen, die Möglichkeiten sind zahlreich:

Sein Bruder ist in der Schweiz erkrankt und benötigt eine Nierenspende.

Sein Vater ist verstorben und setzt ihn als rechtmässigen Erben des Familienunternehmens ein.

Seine Frau ist schwanger, das Kind noch von ihm.

Der Beweggrund ist an dieser Stelle unwichtig. Von Belang ist nur, dass seine Erwartung an die Freiheit der Vergangenheit zum Frass vorgeworfen wurde und er ihrem Ruf folgen wird, zurück in seine Heimat, zurück in die Abhängigkeit, die er nie hinter sich gelassen hat, denn er ist vogelfrei.

Diese Geschichte, ist eigentlich meine Geschichte, doch könnte sie ebenso gut zu deiner Geschichte werden, darum steht sie hier. Hätte er weder geliebt, noch wäre er je geliebt worden, könnte diese Geschichte ein sonniges Ende finden, doch ob dies das glücklichere Ende wäre? Open End.


Dienstag, 15. Dezember 2009

I han es Zündhölzli azündt...

Gerne wäre die Schweiz eine Insel, die sich mitten im Sturm rettend vor den Hilfesuchenden auftut. In Wirklichkeit aber entspricht sie mehr einer Fatamorgana, deren rettende Hoffnung im Nichts verpufft, sobald man sich ihr nähert. Denn noch immer hat die Schweiz ihre kleinkindliche Phase des Fremdelns nicht überwunden, noch immer ist sie durch ihre inzestuöse Bindungen an die Märchen und Mythen, die sie umgeben, gebunden. Noch immer ist die Schweiz, warum sie 1291 geschaffen wurde: ein Land aus einem unangenehmen Bedürfnis heraus: Angst. Wir schwammen ganz allein von Kriegen davon, die Schweiz entkam der roten Invasion und jetzt müssen wir uns auch noch vor dem Minarett-Terrorismus in Sicherheit bringen.
Wir können nachts nicht schlafen, weil wir fest daran glauben, dass unter dem Bett ein böses Monster auf uns lauert und uns fressen will. Wir glauben, indem wir nur Angst haben, das Monster fern zu halten, denn dieses riecht unsere Angst und wird sich, davon eingeschüchtert, geradewegs verziehen.

Wovor fürchten wir uns?

Wir haben Kulturen gefressen und gefressen und gefressen und sind noch immer dabei. Zig Länder wurden im Namen Europas christianisiert, wir haben der ganzen Welt die Liebe zum Kapitalismus gelehrt, brachten unsere Kultur in das Wohnzimmer der geographisch entferntesten Länder -dem Fernseher sei Dank- und heute fürchten wir uns, von all unseren Gaben auch nur den kleinsten Teil zurück zu nehmen. Ist das Arroganz? Egoismus? Gar Hochmut? Mehr Grossgesinntheit, wenn ich bitten darf!

Worum geht es uns?

Den einen geht es tatsächlich um Minarette. Sie wollen nicht mit dem Auto durch die Schweiz fahren und nur noch Türme mit Halbmonden sehen. Der Intelligenzgrad dieser Aussage lässt zweifeln, ob diese überhaupt wissen, was ein Auto ist. (Ironie, dass der Wortlaut von Mister Schweiz Renzo Blumentopf stammt.)

Den anderen geht es um die Unterdrückung der Frau. Sie wollen nicht ein Symbol der Macht gestatten, das einer Religion angehört, die die Frauen klar unterdrückt.

Vielleicht erinnert sie das zu stark an alte Zeiten?

Vielleicht haben sie Angst, unsere Männer könnten dann auch von unbewussten Machtgelüsten gepackt werden? Es könnte ja durchaus sein, dass wir Frauen nach vierzig Jahren schon wieder genug von unserer Mitsprache haben und froh sind von der verantwortungsvollen Freiheit losgesprochen zu werden. (Politik ist eben doch zu anstrengend und nichts für die zimperliche Frau.)
So haben wir Bemitleidenden (oder sollte ich sagen Besserwisser?) auch schon alles unternommen, um diese Frauen aus ihrer Unterdrückung zu befreien, zum Beispiel einmal mit einer betroffenen Frau gesprochen, auch schon einen Kulturtreff besucht, oder ganz viele Nachbarschaftliche Beziehungen aufgebaut. Die Islamisierung ist schliesslich in einem solch bedrohlichen Stadium, dass es von kopftuchtragenden Frauen, denen wir unsere Hilfe anbieten können, nur so wimmelt.

Es könnte sein, dass unsere beiden Kulturen weiterhin unberührt nebeneinander her leben, so als sei der andere inexistent, wir uns einfach ignorieren und keine Schnittstellen aufbauen, so dass ihnen jegliches Erleben unserer Kultur verunmöglicht würde, sie, also die Minarettbenützer, sich ungehindert vermehren, immer mehr Kinder kriegen und immer im stetigen Wachstum mehrheitsfähig werden und dann, weil auch drei Generationen später, dies ist selbst im grössten science fiction Horrorszenario das Minimum der benötigten Zeit, dann könnte es sein, dass sie uns mit unseren eigenen Waffen schlagen und mit den Mitteln der Demokratie dieselbe ausser Kraft setzten und in zweihundert Jahren in der Schweiz die Herrschaft an sich gerissen haben. Das hiesse dann, adieu mit unseren wohlverdienten Goldvrenelis, Muezzingesang statt Alphorngebläse, Mezzeh statt Rösti und Kopftuch statt Tracht.

Dann könnte es sein, dass sich auf dem Bern Bundesplatz folgende Szene abspielt:

Der Bundesrat hat sich an diesem Samstag versammelt, um dem Schweizer Volk für seine tatkräftige Unterstützung für die strenge Zeit der Islamisierung zu danken. Micheline Calmy Rey erscheint hinter dem Redner Pult und trägt aus Solidarität mit den mehrheitsfähigen Islamisten eine Burka. Ungeduldig schaut sie immer wieder auf ihre Armbanduhr, denn der Ueli lässt noch immer auf sich warten, aber der kommt, seit die Kirchglocke in seiner Gemeinde vor einigen Wochen den Betrieb eingestellt hat, einfach nicht mehr pünktlich. Obwohl noch immer zu sechst, beginnt Bundesrätin Calmy Rey folgende Rede:

Schwyzervolk weiss, was es gschlagä hett und was für üses Land ufem Spiel staht. Es hät sini beschtä Chräft iigsetzt zum dur e langjährigi Offensive di bisherigi Bauschlacht unter allne Umstände zgwinne.

(Man hört einen Lautsprecher knacksen, ein kurzes Rauschen und die Arabische Übersetzung ertönt über den Platz.)

Nirgends in Europa isch d Moscheedichti so hoch, wie i de Schwyz. Wenn diejenige, wo glaubed, die islamfründlichi Basis müesse zkritisiere, settet emal so richtig Iiblick becho, i das, was die hüt alles leischtet. Mit wellere Energie, mit welem Pflichtgfühl, mit weller Liebi, si in aller Stilli ihri schwere Gebet verrichtet. Da würed üsi Kritiker nume so stuune und sogar s Muul offe vergässe. Sehr wohl bechämed sie en angeri, e höcheri Meinig vom annektierte Islam. Hüt muss die islamischi Basis gspüre, dass s ganze Schwyzer Volk hinger ihre steiht, dass es ihri Gsetz anerchennt, dass es mit ihne sypathisiert und dass mer nid, wie das früecher mal vorcho isch, verachtend über se redt oder gar d Nase rümpft. Hie u da…

(Wieder ein knacken im Lautsprecher, die Übersetzung verstummt, dafür hallt vom Minarett neben dem Bundeshaus Gebetsgesang über den ganzen Platz. Die Bundesrätin beginnt mit aller Energie zu schreien, dass auch die letzten Worte, die Zuhörer noch erreichen.)

HIÄ U DA, WIRD’S A ZARTE HÄNGE EINIGI BLATERÄÄ GÄÄÄ, DOCH SOOO SCHLIMM ISCH DAS NID!! WO ICH ZUM ERSCHTE MAL, EN SCHLEIER TREIT HAN, ISCH ES MIR NID BESSER GANGÄÄ. DAS ABER, ISCH LAAANG VERBII UND JETZT HANI AU UF DE NASE GNÜEGEND HUUT!!

(Michelines Kopf ist vor Anstrengung rot geworden. Die Zuhörer drehen sich um, man erkennt einen kleinen Mann im grauen Jackett, der mit dem Aktenkoffer unter dem Arm auf den Platz zu rennt. Es ist Ueli, hastig winkt er mit der freien Hand und schreit.)

Hallooooooo, haaaalllooooo, han eu doch gseit, ihr selled uf mit waarte mit aafangä. Hani vill verpasst? …

(Es erklingt Mani Matters Musik)

….töm …..töm…. Gottseidank dass miär diä Minarett verbote händ!

Es folgt das erlösende Ende.


Wovor genau fürchten wir uns jetzt schon wieder??
Ah genau, die singende Invasion; ich habe sie gezääählt, dass mir auch nicht eines feeehlt, an der ganzen grossen Zaaaahl, an der ganzen grossen Zaaaahl:

Am letzten Samstag ein Kopftuch am vorletzen waren es schon vier. Ah ja und die einzige Person, die in den Laden kam und kein Wort Deutschsprach, sieht verdächtig nach einer importierten Asiatin aus und hat kein Kopftuch getragen.

Und wer will, darf jetzt noch rätseln woher die Rede ursprünglich stammt.

Montag, 7. Dezember 2009

JA - Schweizerdeutsch / Schweizerdeutsch - JA



Mein Senf, der jetzt, weil mich schon fürsorgliche Anrufe erreichten, ob ich in der Tat ausgewandert sei, doch noch kommt:
Bin ich nicht, noch nicht, doch hat es mir das Schweizerdeutsch verschlagen, mein Verstand hat sich krankgeschrieben, seit einer Woche meldet mein Kopf nur noch

E R R O R


Der letzte Sonntag gleicht eher einer Meinungsumfrage, denn an einer Volksabstimmung. Es hagelt von Meinungen, die begründen, was das im Affekt gewählte JA bedeutete, was zwischen die Zeilen alles geschrieben wurde und was man jetzt glaubt lesen können. In der Erziehung hat man erkannt, wie weitreichend die negativen und wie unerreichbar die positiven Folgen von Affekthandlungen sind. Man fordert Inne zu halten, zu reden, im Notfall zu ignorieren, doch auf keinen Fall zu schlagen. Man hat es eingesehen. Zumindest in der Erziehung. In der Politik ist Handeln im Affekt nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht, so haben zu viele Schweizerinnen und Schweizer letzten Sonntag dreimal um die eigene Achse ausgeholt und mit geballter Kraft zugeschlagen.


P E N G !


und gleich nochmal:


P E N G !


Arbeitsplätze können tödlich sein.


Minarette scheinbar auch.


Meine Wangen schmerzen noch immer.


Unintelligenterweise haben die mehrheitsfähigen Idioten übersehen, dass es auf dem Abstimmungszettel nur eine Zeile gibt. Kein Platz für ein Dazwischen.
Politik hat einen Wirkungszweck, da sind Meinungen, die zum Christbaumschmuck verkommen sind, der reinen Dekoration dienen, fehl am Platz, weil da kein Platz ist. Medien als Einkaufsstrasse, wo sie sich präsentieren, die Meinungen, glänzend, fabrikneu, Massenproduktion. Man bringt sie, wohlbehütet nach Hause und hängt sie für jedermann sichtbar, an den Weihnachtsbaum, steht davor und betrachtet ihn stolz im Glauben, in ihm eine wahre Bedeutung zu erkennen.

Politik aber soll wirken, nicht schmücken. Sie erfordert Standpunkte, Ziele und Visionen nicht Empfinden, Glauben oder Reaktionen. Ich fordere die Interpretationsfreiheit aus der Verfassung zu streichen, über die Politik auf der Metaebene zu politisieren, und über ihre Funktion und Ziele neues Bewusstsein zu erlangen. Politik erfordert Verantwortung keine Meinungen, dazu gibt es Blogs. Meine Meinung.

Und noch etwas mehr davon: Schade ist der Muezzingesang der vier Minarette in der Schweiz so laut, dass er jede Diskussion über den vom neutral naiven Schweizer gutgeheissenen Kriegswaffenexport übertönt. Ich befürchte stilles Aufatmen bis stille Schadenfreude über die abgewendete Konfrontation seitens unserer Politiker.


Und gleich noch mals: Ich liebe Minarette und deren Klang und ginge es nach mir, dann lieber Ankara statt Aarau, denn die Stadt ist wunderbar.
Selbst das Römische Reich musst irgendwann untergehen, heute trauert niemand mehr darum, da muss sich unsere Reduitromantik nicht viel vormachen.

Sonntag, 22. November 2009

Mir stinkt's!

Morgens um neun steht eine alte Frau, schlecht geschätzte 80 Jahre, bei uns im Lebensmittelladen. Ich bemerke sie, weil meine Kollegin, an deren Kasse die alte Frau steht, zu würgen beginnt, das Gesicht verzieht und mich wissen lässt, obwohl allein schon ihr Ausdruck Bände spricht, dass sie sich beinahe übergeben muss. Grund: die alte Frau stinkt und zwar gewaltig. Und nicht nur das, auch ihre Haare triefen vor Fett und die Kleider scheinen seit Zeiten ungewaschen, doch die alte Frau, sie strahlt.

Ursache für den Gestank Nr.1:
Die alte Frau sieht und riecht sich selbst nicht mehr, nimmt daher nicht wahr, dass sie für ihr Umfeld solch eine Plage ist.

Ursache für den Gestank Nr.2:
Vielleicht weiss sie durchaus über ihre Ausdünstung Bescheid, ist aber körperlich nicht mehr in der Lage etwas dagegen zu unternehmen und geistig noch zu vital, um etwas dagegen machen zu lassen.

Ursache für den Gestank Nr. 3:
Unabhängig davon, warum die Frau nichts gegen ihre Ausdünstung unternimmt, ist klar, dass auch kein soziales Umfeld da ist, das dies für sie übernimmt und sie auf ihren unerträglichen Zustand aufmerksam macht. Also keine familiäre Einbindung, weder Kinder, noch Ehemann, noch Geschwister, Cousinen …, keine Kaffeklatsch-Freundinnen, kein Nachbarschaftsnetzt, keine Seniorentreffs, rein gar nichts, was sich verantwortlich fühlt, dieser alten Frau zu sagen, dass sie stinkt.

Die Vorstellung, dass sich irgendwann jedes Schwein nur noch einen solchen Scheissdreck um einen kümmert, dass man selbst zum Schwein wird, ohne es zu bemerken, ist, zumindest für mich, ganz schön beängstigend.
Die menschlichste Lösung aus diesem Desaster wäre, dass jeder einzelne wieder lernt Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, denn wir alle sind Kinder, Neffen und Nichten, sind Nachbaren und könnten sogar Freunde sein. Die einzige Verantwortung, die wir aber heute noch tragen wollen, oder können, ist die bezahlte und so bleibt nur die Möglichkeit Sozialarbeiter für das Flicken solcher Zustände einzuspannen. Die putzen quasi den Dreck der Kapitalismusverliebten auf.

Hier eine Alternative: Es wäre zweckgemäss das Verkaufspersonal für solche Fälle zu schulen und zur Verantwortung zu ziehen, denn erstens bekommen die alles mit, da keiner ums Einkaufen kommt. Von einfachen Alkoholfahnen am frühen Morgen über blaue Flecken in Frauengesichtern oder Kinderköpfen, über Ausländerinnen, die auch nach zig Jahren noch immer einen Übersetzter für den Kaufbetrag benötigen, bis hin zu stinkenden alten Frauen und selbst mit abgewiesenen Asylsuchenden kennt sich zumindest die Migros bestens aus. Zweitens wäre dies auch eine sinnvolle Ergänzung zur Arbeit im Verkauf und schliesslich wird, wer über die Kompetenzen verfügt, einen potentiellen Dieb zu überführen, auch in der Lage sein, einer alten Frau zu vermitteln, dass sie stinkt.

Etwas weniger Arbeitsteilung dafür mehr Sinnstiftung auf mehreren Ebenen oder mehr Verpflichtung für jeden einzelnen significant caring person zu sein, was so viel heisst wie gelebte Nächstenliebe auf Postmodern und schlicht bedeutet wieder etwas mehr verantwortungsbewusste Geschwister, Kinder oder Nachbaren zu sein und vielleicht sogar Freunde zu werden. Was schlicht bedeutet sich wieder einmal über seinen Horizont hinaus zu kümmern.

Freitag, 13. November 2009

Ooohh du Fröööhlicheeeee


Die Migros macht nun offiziell, was man schon seit einiger Zeit vermuten konnte: Weihnachten ist nicht mehr länger ein Fest der Liebe, sondern das Fest der Wünsche und als ob damit Weihnachten vom Zweck nicht genug entfremdet wäre, dürfen wir diese Wünsche neuerdings auch am 26.Dezember und am 2.Januar grenzenlos befriedigen, weil jede einzelne Migros Filiale im Kanton Aargau und Solothurn an diesen Tagen geöffnet sein wird!

Die Migros erklärt, der Herr Coop sei schuld, weil der sich nicht an die getroffene Vereinbarung halte, somit sei die Migros in ihrer Opferrolle gezwungen mitzuziehen. Für ihre feiertägliche Arbeit werden die Mitarbeiter zwar dementsprechend entschädigt werden, doch ob fehlende Weihnachtserinnerungen wirklich durch Geld ersetzt werden können?
Um sachlich zu bleiben, muss ich an dieser Stelle ergänzen, dass ich weniger die armen Detailhandelsangestellten als Opfer sehe, als alle die armen Kinder, deren Eltern tatsächlich am 26.Dezember lieber einkaufen gehen, statt Besuch zu empfangen und die familiäre Zeit zu geniessen. Meine besondere Sorge geht natürlich an all jene Kinder, die an diesem Tag ihre Mutter in der Migros besuchen müssen, wenn sie etwas von ihr haben möchten.

Dennoch ist für mich durchaus nachvollziehbar, dass eine Einkaufsplanung für drei Tage in Folge einem massiven Einschnitt in die persönliche Freiheit gleichkommt und Ladenöffnungszeiten diskriminierende gesellschaftliche Strukturen darstellen, denen der Kunde sich nicht beugen darf. Und noch mehr Verständnis habe ich dafür, dass die Migros auch diesem Kundenwunsch nachkommt, da in der Tat die Möglichkeit besteht, dass die lieben Kunden sonst am Montag die Migros boykottieren und aus Trotz keine Nahrungsmittel mehr kaufen, weil sie dies schliesslich am 26.Dezember auch nicht konnten.

Kurzum: an solchen Tagen Einkaufen zu gehen offenbart, dass man entweder der sozialen Isolation entflieht, die an Weihnachten besonders schwer lastet oder dass man sich wie die Migros offiziell dazu bekennt, das Fest der Wünsche statt der Liebe zu feiern.
Ich rate davon ab, mir an diesem Tag unter die Augen zu kommen.